Backstage Philosophie

Backstage Philosophie
- Manifest zu unserem grundsätzlichen Selbstverständnis -

1. Mission:
Seit Gründung des Backstage am 11.1.1991 verfolgen wir ein klares Ziel: Einen Raum zu schaffen, in dem Kulturen gelebt, Kunst zelebriert und gesellschaftliche Belange diskutiert werden.
In unserem Selbstverständnis ist Kunst und Kultur nicht nur Selbstzweck oder ein Unterhaltungsangebot, sondern drückt gleichwohl die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Situationen und Aspekte aus - oder kann hierzu mitunter Ideen und Visionen aufzeigen.
Diesbezüglich hat es keine Rolle gespielt, dass wir uns stets selbst finanzieren mußten und permanent unter einem extremen strukturellen und kommerziellen Druck standen bzw. nach wie vor noch stehen.
Die Vielfältigkeit der Welt auf die Bühne zu bringen, ist unsere zentrale Motivation, weshalb wir allen Musikrichtungen und Kulturen im Backstage einen Raum geben.
Wir verstehen es als unsere Aufgabe, Menschen aller sozialer Schichten, Milieus oder Bereiche, ethnischer Herkunft sowie politischer und religiöser Weltanschauung bei unterschiedlichsten Veranstaltungsformaten wie Konzerten, Partys, Ausstellungen und Märkte, Filmvorführungen, Public Viewings, Seminare/Tagungen oder bei politischen Events, zusammenzubringen, zu vernetzen und miteinander in Austausch zu führen. Das Backstage war immer mehr als nur eine „Unterhaltungslocation“ und möchte weiterhin zukünftig ein Raum der Aufklärung und der sozialen Bewegungen mit einem gesellschaftspolitischem Interesse und Verantwortung sein.
Wir glauben, dass die Konfrontation mit anderen Perspektiven und das Zusammenführen von Unterschiedlichem die beste Basis ist, um Toleranz, Akzeptanz und Respekt in der Gesellschaft zu fördern.  
Daher lassen wir einerseits in einem weiten Rahmen kontroverse Meinungen zu. Das hat dennoch für uns seine klaren Grenzen, wenn rote Linien eindeutig überschritten werden. Denn Demokratie und Meinungsvielfalt bedeutet für uns ebenso: unterschiedliche Kulturen und Prägungen der Menschen akzeptieren und verstehen, auch wenn wir sie vielleicht persönlich ablehnen.
Deshalb fördern wir die Diskussion gleichermaßen zu umstrittenen Themen und bieten allen Akteuren eine Bühne, ihre Argumente vertreten zu können, sofern sie sich in einem demokratischen und menschenwürdigen Rahmen bewegen.
So darf dabei die Freiheit der Kunst nicht verhandelbar sein.  
Jedoch haben selbstverständlich Gewalt, Extremismus und Fundamentalismus aller Art bei uns im gleichen Maße keinen Platz - genauso wie beispielsweise Rassismus, Antisemitismus Chauvinismus, Frauenfeindlichkeit oder Homophobie - auch wenn wir damit trotzdem offensichtlich leider immer wieder konfrontiert werden und uns damit auseinander setzen müssen.
Aus sozialen wie ökologischen Gründen versuchen wir, Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen zu leben oder zumindest aufzuzeigen und fordern dies genauso von unseren PartnerInnen ein. Konkrete Maßnahmen wie beispielsweise ein Pelzverbot bei Kleidung oder die Verwendung von regenerativen Ökostrom setzen wir regelmäßig und selbstständig um.
Dazu ist unser Anspruch in allen gesellschaftlichen Fragen durchaus eben nicht neutral, sondern fair und stets menschlich zu sein.

Austausch, Dialog, Information und Sensibilisierung geht für uns allerdings primär vor Ablehnung und Stigmatisierung!

Unsere BesucherInnen und unsere KünstlerInnen verstehen wir als PartnerInnen, mit denen wir ein gemeinschaftliches Erlebnis gestalten wollen und zu einer besseren Gesellschaft und Welt beitragen wollen.

2.Vision:
Wir möchten das Backstage als den größten Raum in München erhalten und weiterentwickeln, in dem Akteure (fast) aller gesellschaftlichen Bereiche, politischen Richtungen, kulturellen Prägungen sowie ethnischen und örtlichen Herkünften einen Platz haben. Dabei wollen wir politisch und institutionell unabhängig bleiben. Denn nur der Wert der Freiheit ermöglicht uns, diese Offenheit und Vielfalt zu schaffen.

3. Werte
Mut: Ohne Mut kann keine Vision realisiert werden. Offenheit braucht ein starkes Selbstbewusstsein und eine eigene klare Haltung.
Freiheit: Finanzielle und institutionelle Unabhängigkeit sind die Basis für eine progressive Entwicklung ohne Denkverbote.  
Respekt: Die eigene Ideologie darf nicht in moralische Überlegenheit oder Überheblichkeit münden!
Integrität: Wir stehen zu unserem Wort. Ein Handschlag und das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns sind die Grundlagen unserer Arbeit. Zugleich: Eigentum verpflichtet!
Rücksichtnahme:  „was Du nicht willst was man Dir tu´, das füge keinem/keiner anderen zu“
Eigenverantwortlichkeit: Frage nicht was die anderen, der Staat oder die Gesellschaft für Dich tun kann - sondern was Ich/Du für diese tun kannst.
Leidenschaft: "Ein Ideal und eine Leidenschaft braucht der Mensch". Dieser Satz vom Monaco Franze prägt unsere Arbeit. Wir lieben die Musik, die Kunst, die Natur und die Menschen. In jeder Phase unserer Handlungen.
Heterogenität: Demokratie muss kontroverse Meinungen nicht nur aushalten, sondern geradezu fördern!

Statement zum nicht stattgefundenen Konzert mit Deströyer 666

Unser ausführlicheres STATEMENT und grundsätzliche Haltung - auch im Zusammenhang mit den Umständen
zum am 05.11.2109 nicht statt gefunden Konzert im BACKSTAGE

DESTRÖYER 666 + HOUR OF PENANCE + NOCTURNAL GRAVES + INCONCESSUS LUX LUCIS

Liebe Metalheads,

aufgrund der vielen Spekulationen und Gerüchte über das nicht stattgefundene Deströyer
666-Konzert wollen wir ein paar Dinge klarstellen und Antworten geben.
Seit Langem werden wir mit Anfeindungen, falschen Unterstellungen und Vorwürfen wegen
des Konzerts von verschiedenen Seiten konfrontiert. Wir möchten klarstellen: Die Vorwürfe
gegen die Band haben wir ausführlich geprüft. Bis heute haben wir uns allerdings noch keine
endgültige Meinung über die Band bilden können. Die Gründe dafür möchten wir euch ausführlich
darlegen.

Der Entscheidungsprozess
Richtig ist: Wir haben es uns wahrlich nicht einfach gemacht, denn sonst hätten wir das Konzert
einfach schon vor Wochen abgesagt. Druck von mitunter anonymen Quellen, wilde Spekulationen
oder gar Hetze im Internet dürfen aber nie zur Entscheidungsgrundlage für eine
Konzertabsage werden, sondern nur Fakten, unsere eigenen Werte und der Eindruck, den wir
persönlich von den Künstlern haben. Natürlich laufen auch wir dabei Gefahr, dass wir trotz intensiver
kritischer Recherche und Auseinandersetzung mit der Band getäuscht werden - wie
es bspw. bei den "Krawallbrüdern" der Fall war. Aber: Mal Fehler zu machen, daraus zu lernen
und zu korrigieren, gehört zu unserer Kultur und unserem Selbstverständnis.

Ein elementarer Wert, der uns bei solchen Entscheidungen leitet, ist die intensive Prüfung der
Vorwürfe und das Abschätzen der Folgen für die Fans, die Szene, die Band sowie das Backstage.
Zentral für uns ist, dass die Bands und vor allem ihre Fans nicht ungerechtfertigt stigmatisiert,
vorverurteilt und in eine politische bzw. extremistische Ecke gestellt werden. Denn klar
ist, dass manche Bands nicht in schwarz oder weiß, gut oder böse, rechts oder links eingeteilt
werden können, sondern eben in Grauzonen sind, die besonders betrachtet werden müssen.
Unsere Aufgabe ist es zu prüfen, ob eine Band tatsächlich politisch hetzt oder im Rahmen der
künstlerischen Freiheit provoziert, was allerdings nie ein Freibrief für Hetze jeglicher Art sein
darf. Uns ist auch bewusst, dass jede Szene ihre eigenen Problembereiche hat, weswegen der
Dialog darüber immer im Vordergrund stehen muss. Wer, wenn nicht das Backstage weiß,
dass extreme Musik natürlich manchmal extreme Darstellungen, Provokation und Konfrontation
braucht. Wir erlauben uns aber zu bestimmen, wo für uns die Grenzen liegen und was wir
auf unserer Bühne haben wollen.

Um Fakten für ein umfassendes Bild zu bekommen, diskutieren wir bei den – im Verhältnis zu
der enormen Anzahl der bei uns auftretenden – wenigen Bands, die in vermeintlichen Grauzonen
sind, ausführlich mit Experten, betreiben aufwendige Recherchen und reden mit KritikerInnen,
TourveranstalterInnen sowie der betroffenen Band. Für uns als Location-Betreiberin
ist dieser Prozess äußerst mühsam, da wir – wie bereits bei vielen Konzerten vorher – auch bei
Deströyer666 kaum Unterstützung bekommen haben, weder von offiziellen Stellen der Stadt
München, die für diese Themen die erste Ansprechpartnerin wären, noch aus der eigenen
Fanszene. Denn auch diese hat für ihren Teil Verantwortung zu übernehmen, um extremistische
Bands zu verhindern.

Einfluss der Fanszene
Dazu sei ein positives Beispiel erwähnt, bei dem dieser Austausch zwischen Fans und dem
Backstage sehr gut funktioniert hat: Der Band "Infernal War". Da bekamen wir lange vor dem Konzert Hinweise
aus der Black Metal-Fanszene, dass diese Band einen Vernichtungsantisemitismus propagieren und
sich in rechtsextremen Umfeld bewegen würde. Nach Überprüfung dieser Hinweise wurde nicht nur das
Konzert abgesagt, sondern die Band aus der kompletten Tour gestrichen, wofür wir uns intensiv eingesetzt
haben. Denn solches Gedankengut hat auf keiner Bühne etwas zu suchen.
Ein negatives Beispiel war hingegen die Band "Deus Mortem" und damit verbunden die Absage des
"MGLA"-Konzertes. Leider bekamen wir da keinerlei Hinweise aus der Szene, sondern nur von außen sowie
über die Presse und das gerade einmal 5 Tage vor dem Konzert, weswegen die Absage auch so kurzfristig
war.


Konsequenzen aus der Absage
1. Wir bekamen viel Applaus von der linken Szene. Von Teilen der Blackmetalszene hingegen zahlreiche
Vorwürfe, weil wir angeblich vor den linken AktivistInnen eingeknickt seien. Dazu sei aber deutlich gemacht:
Die Gründe für die Absage waren so gravierend, dass es völlig egal ist, woher die Initiative kam.
Denn offene Antisemiten, NSBM-Fans und rechtsextreme MusikerInnen sind für uns völlig inakzeptabel,
ebenso Bands, die solche MusikerInnen tolerieren. Beschämend ist vielmehr, dass sich die Band "MGLA"
später sogar als Opfer stilisierte und sich einige Fans damit solidarisierten. Die Folge waren mitunter üble
Reaktionen in der Szene und lautstarke Pöbeleien im Netz. Umgekehrt gab es aber zum Glück sehr viel
mehr Fans, die die Absage richtig fanden und keine NSBM-Nähe tolerieren.
In diesem Zusammenhang sei ebenfalls klargestellt: Das Argument, dass es bei solchen Black- oder Death
Metalbands ja nur um die Musik geht und die Texte eh unverständlich sind, rechtfertigt keineswegs rassistische,
antisemitische oder extremistische Bands zu tolerieren. Ebenso ist eine individuelle unpolitische
Einstellung kein Argument, so was auszublenden.
2. Um ein wirkliches Zeichen zu setzen, haben wir anstatt dem "MGLA"-Konzert den “Bash gegen Antisemitismus“
veranstaltet. Leider kam es dort zu einer Eskalation, wie sie das Backstage in knapp 30 Jahre
nicht erlebt hat, indem ein jüdischer Stadtrat von der Bühne gebuht wurde. Allerdings nicht von rechten,
sondern von linken AktivistInnen (!), da der Stadtrat von der CSU war. Bis heute ab es keine Solidaritätsbekundungen
oder Entschuldigungen von der linken Szene, die damit einmal mehr ihre Schwierigkeiten
offenbart, selbst Toleranz zu zeigen und diese nicht nur zu predigen. Auch für diese Veranstaltung bekamen
wir von keiner offiziellen Stelle Unterstützung, auch nicht von denen, die zuvor die Absage des Konzerts
gefordert hatten.
Wir meinen: Wer den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus und diverse andere „Phobien" ernst
meint, hat auch Verantwortung, VeranstalterInnen wie das Backstage und alle anderen Location-BetreiberInnen
darin zu unterstützen.

Wünsche für die Zukunft
Da Konzertabsagen immer nur das allerletzte Mittel der Wahl sein dürfen, werden wir auch in Zukunft Vorwürfe
ausführlich prüfen und den Dialog mit allen Beteiligten suchen. Klar ist, dass wir uns immer eine eigene
Meinung bilden und uns nicht von irgendwem treiben oder instrumentalisieren lassen. Absagen beispielsweise
aufgrund rassistischer oder antisemitischer Vorwürfe sind daher nie als ein Einknicken vor der
linken oder einer anderen Szene zu verstehen, sondern weil es unsere innerste Überzeugung seit über 30
Jahren ist, solchen Bands keine Bühne zu geben.
Von den Fanszenen wünschen wir uns allerdings noch mehr Unterstützung und Dialog, wenn es um problematische
Bands geht. Deswegen begrüßen wir die aktuellen Diskussionen, auch wenn sie mitunter gegen
uns laufen. Zugleich hoffen wir, dass sich die Fans noch mehr im Kampf gegen alle Extremisten engagieren
und im Sinne einer Selbsthygiene die Szene kritisch beobachten. Um unsere Verantwortung als Location dafür
wahrzunehmen, planen wir im nächsten Jahr verschiedene Events, bei denen wir genau diesen den Dialog
zwischen Fans, Bands, VeranstalterInnen und ClubbetreiberInnen fördern wollen. Denn das Ziel muss
immer der Zusammenhalt der Szene sein, den wir positiv beeinflussen wollen.
Wir als Backstage sind in erster Linie Fürsprecher der Fans und Szenen, nicht Anwalt oder Pressesprecher
der Bands. Verantwortlich für die Vorwürfe sind die KünstlerInnen, nicht die VeranstalterInnen oder HallenbetreiberInnen.
Daher leiten wir die Kritik immer an die Bands weiter mit der Bitte um Klarstellung,
weil wir keine Vorverurteilungen machen wollen. Aufgrund unserer eigenen, sehr hohen
gesellschaftlichen Ansprüche sowie zum Schutz der (Fan-)Szene können Ablehnungen
beim Booking im Vornherein oder spätere Absagen manchmal nicht gänzlich verhindert werden.

Gesellschaftliches Klima
Wir betonen nochmals, dass Konzertabsagen für uns immer die letzte Stufe sind. Leider stellen wir aber
fest, dass in den letzten Jahren der Druck dafür immer größer wird. Allerdings nicht, weil wir mehr kritische
Bands veranstalten als früher, sondern weil das gesellschaftliche Klima scheinbar immer weniger sogenannte
"Grauzonen-Bands" und Meinungsvielfalt duldet. Dies wird von manchen AktivistInnen genutzt, um gegen
Bands und uns zu polemisieren - wenn nicht gar zu hetzen - oder Auftritte zu verhindern, wie bspw. bei
der Band "Tyr" oder Phil Anselmo von "Pantera".
Wir als Backstage können diese Emotionalisierung, Moralisierung und Empörung nicht zum Grund für Absagen
zulassen, da dadurch langfristig nur die Ränder und Extreme gestärkt werden und Szenen in einen Untergrund
abwandern, wo sie nicht mehr kontrolliert werden kann oder ein Teil der Szene erst recht in die
Hände von Populisten und Extremisten getrieben wird. Wir akzeptieren, dass die Musik-Welt nicht schwarzweiß
ist und die Mitte aus vielen Grautönen besteht. Nicht jede Kritik und jeder Vorwurf ist automatisch ein
Grund für eine Absage, es ist vielmehr das Agieren der Band sowie die inhaltlichen Positionen in den Texten,
die ein Gesamtbild ergeben. Wir verweisen dazu gerne auf unser grundsätzliches Manifest zum Umgang mit
kritischen Bands und unsere gesellschaftliche Verantwortung.

Das Deströyer666-Konzert
Wir wollen ehrlich sein: Bis heute konnten wir uns keine abschließende und wirklich fundierte Meinung
über die Band bilden aufgrund der Unklarheit der Vorwürfe. Verschiedene Umstände haben uns letztlich geholfen,
die Entscheidung zu Gunsten eines Nichtstattfindens zu treffen.
Die unterschiedlichen Vorwürfe, die zum Teil auf Wikipedia oder anderen Internetseiten zu finden sind, haben
wir an die Band weitergeleitet mit der Bitte um eine Stellungnahme. Diese erfolgte leider nur von Seiten
der Tour-Agentur, nicht von der Band. Diese wies alle Vorwürfe von sich mit dem Hinweis, dass diese
nicht zutreffend seien und verleumderischen Charakter hätten.
Zu erwähnen ist auch, dass einige der Vorwürfe bisweilen schlecht recherchiert sind und Aussagen der Band
ohne den gesamten Zusammenhang interpretiert werden. Belege und Quellen sind oft unklar oder werden
gar nicht erst nicht angegeben. Leider findet sich diese, nach wissenschaftlich gängigen Maßstäben schlampige,
Art der Recherche häufig im Rahmen solcher Vorwürfe wieder, nicht nur bei "Deströyer 666". Auch
stellen wir fest, dass manche Aussagen der Bands bewusst von einigen AktivistInnen fehl- oder ideologisch
verzerrt interpretiert werden, was ebenso unredlich ist.

Aus Mangel an klaren Aussagen mussten wir entsprechende Statements der Band selber aus dem Netz zusammensuchen
und die Vorwürfe überprüfen, um uns eine fundierte Meinung zu bilden. Auch das benötigt
immer enorm viel Zeit und Ressourcen. Wir bedauern daher auch sehr, wenn Bands einen direkten Dialog
über ihre Machenschaften verweigern. So bleibt für uns immer die Schwierigkeit, dass wir evtl. sogar Bands
verteidigen, deren Einstellung wir aber selbst zu tiefst ablehnen. Nachdem ein nicht unwesentlicher Teil der
Fans das ähnlich sieht wie wir, schaden sich die Bands damit letztendlich ebenso selbst. Offenheit, ehrlicher
und dezidierter Umgang mit den Vorwürfen wäre unserer Meinung nach besser als Schweigen. Allein dieses
Verhalten hat uns massiv zu denken gegeben, nicht das Gebaren linker AktivistInnen, wie uns fälschlicherweise
unterstellt wurde. Denn wie Ihr wisst, sind Deströyer666 bei uns schon aufgetreten, was uns von der
Metalszene sowie von linken Kreisen aus verschiedenen Gründen vorgeworfen wird. Viele politische Positionen
der Band hätten wir damals schon fragwürdig gefunden, allerdings erreichten uns keine konkreten Vorwürfe
und Absageforderungen, die wir hätten prüfen können, weswegen wir uns fragen, wo die AnklägerInnen
eigentlich früher waren.
Wir betonen zudem, dass es auch keineswegs eine einseitige Absage von unserer Seite war, sondern eine
gemeinschaftliche Übereinkunft mit dem Tourveranstalter, der unser Vertragspartner bei diesem Konzert
war. Die konkreten Ursachen für die Absage waren dann letztendlich auch andere, welche der üblicherweise
vertraglich vereinbarten Schweigepflicht unterliegen. Sicherlich habt ihr Verständnis, wenn wir diese Verschwiegenheit
einhalten. Daraus resultiert im Übrigen auch die Kurzfristigkeit der Absage, die wir für alle
Fans sehr bedauern und für die wir uns natürlich entschuldigen.

Wie beschrieben sind wir inhaltlich noch zu keinem anschließenden Fazit über Deströyer666
gekommen. Im Sinne der Transparenz für unsere Entscheidung wollen wir aber ein paar Beispiele
aufzeigen, die wir kritisch finden und die nicht unseren Werten entsprechen:
- HITLERGRUß: Ausländische MusikerInnen sind im Umgang mit Nazi-Symbolen manchmal
etwas unsensibler als deutsche Bands. Klar ist, dass solche Gesten nie zu akzeptieren sind, auch nicht als
Provokation unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit. Für uns stellt sich aber die Frage, wie
wir sowas grundsätzlich be- und verurteilen? Ist jede Provokation automatisch ein politisches Statement?
Ist sowas einmalig oder stetiger Bestandteil einer Show? Welchen Einfluss hat die Eigendynamik
eines Konzerts oder einer After-Show-Party? Was ist der Kontext? Finden sich solche Inhalte auch in den
Texten? Und ja, was haben Drogen und Alkohol oder manchmal die oftmals hochgepuschte Hormonausschüttung
bei/nach einem exzessivem Auftritt damit zu tun? Jeden Ausfall eines/r SängerInnen oder einer
Band sofort mit Zensur und Verbannung zu sanktionieren, halten wir ohne Berücksichtigung der tatsächlichen
Umstände für falsch, weswegen wir solche Vorfälle immer ausführlich prüfen.
- ISLAMOPHOBIE, ANTISEMITISMUS: Wie man bei mehreren Texten von "Deströyer 666" sehen kann ist
Kritik an Religionen ein Dauerthema, ebenso satanistische Einstellungen. Zu beachten ist, dass neben
dem Islam auch das Judentum sowie das Christentum, ergo die „eigene" Religion, immer wieder angegriffen
werden. Dabei werden meistens Themen wie Not, Leid und Unterdrückung angeprangert, die leider
viele Menschen in allen Ecken der Welt seit Jahrtausenden bis jetzt – auch im Namen von Religionen
– erdulden müssen (siehe z.B. den Song „ A Thousand Plagues"). Es liegt in der DNA des Black- und
Deathmetal, Religionen kritisch gegenüber zu stehen und mit dem Satanismus eine Alternative zu feiern.
Der ist zum Teil Folklore (666, Teufelshörnchen etc.), zum wichtigeren Teil aber keineswegs eine
Huldigung des Bösen. Vielmehr ist dieser Satanismus ein Bekenntnis zur Freiheit, Menschlichkeit und zu
anderen spirituellen Glaubensformen, bei denen v.a. rechte oder antisemitische Einstellungen keinen
Platz haben. Die Islamkritik wie der Antisemitismus des Sängers ist daher nur schwer zu beurteilen, insbesondere,
da in den Reihen der Crew und Band offenbar auch Personen mit islamischen oder jüdischen
Hintergrund sind.
- SEXISMUS: Die Parolen des Sängers über Frauen sind natürlich Sexismus pur. Doch auch hier gilt zu fragen:
Ist jeder blöde Spruch auf Stammtisch-Niveau gleich ein Hinweis auf Missachtung von Frauen?
Kann dies direkt eine Konzertabsage zur Folge haben? Wir glauben: Auch solche Töne muss man in gewissem
Maße aushalten, selbst wenn sie widerlich sind und eher die Männlichkeit des Sängers in Frage
stellen.

Für uns bleibt am Ende übrig: Jeder einzelne Vorwurf kann für sich und einzeln betrachtet als Ausrutscher,
Provokation und Ausnahme verstanden oder im Rahmen der künstlerischen Freiheit akzeptiert werden.
Auch berücksichtigen wir die im Netz gefundenen anderslautenden Aussagen der Band sowie die multikulturelle
Zusammensetzung der Crew.
ABER: Sollten die Vorwürfe, wie sie kolportiert wurden und werden, stimmen sowie die Nähe zur NSBMSzene
existieren, wäre das Grund genug, ein Konzert nicht zu veranstalten. Fans, VeranstalterInnen und
TouragentInnen sind dann gefordert, sich davon deutlich abzugrenzen – was im Übrigen auch für die entsprechenden
Musikmedien gelten muss, welche oftmals solche Bands unkritisch abfeiern. Wir haben das
getan, denn neben den vertraglichen Gründen würde die Summe der verschiedenen Vorwürfe – sollten diese
berechtigt sein – sowie das Verhalten der Band durchaus eine Absage rechtfertigen.

Vision
Für uns ist klar: Damit diese Band eines Tages wieder bei uns spielen kann, muss sie sich deutlich äußern
und klarer Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Nur alles als Verleugnung abzuhandeln ist bei der Menge
und Art der Vorwürfe zu wenig. Wir geben jedem eine zweite Chance, der zu seinen Fehlern steht und sich
bemüht, sie zu korrigieren.
Das Backstage wird immer ein Raum für Diskussionen, Kontroversen, Toleranz und Meinungsfreiheit bleiben
und eine offene Türe für Bands in den sogenannten „Grauzonen“ haben, soweit diese sich eindeutig und
ehrlich positionieren. Niemals aber werden wir Extremisten, Fundamentalisten und Hetzer auf unseren Bühnen
dulden! Wir fordern daher alle KünstlerInnen, Fans, Initiativen, Bündnisse, PolitikerInnen und Medien
auf, mit uns gemeinsam gegen Extremisten, Rassisten, Feinde der Demokratie und Spalter der Gesellschaft
vorzugehen.

mit aufrichtigen Grüßen
Euer BACKSTAGE

Ticketrückgabe abgesagter oder verlegter Shows

Bei abgesagten oder verlegten Shows können die gekauften Tickets in der Regel an den jeweiligen Vorverkaufsstellen, bei denen sie gekauft wurden, zurückgegeben werden.
Im Backstageshop gelten die AGB. Tickets können bis zu zwei Monate nach Show zurückgegeben werden. 

 

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