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Unser Statement zum geforderten Auftrittsverbot der skandinavischen Band TYR

Das Backstage ist ein Raum der Diskussion, der Toleranz und der Meinungsfreiheit. Dennoch müssen gleichwohl wir klare rote Linien ziehen, welche Künstler wir auf unseren Bühnen nicht dulden. Dazu zählen: Extremisten und Fundamentalisten aller Art.

Bzgl. der Band Tyr möchten wir klarstellen: Die Haltung des Sängers der Band hinsichtlich des Fangs und Verzehrs von Walen auf den Färöer-Inseln teilen wir nicht, da wir das Töten von Tieren aufgrund von Traditionen oder kulturellen Gebräuchen, Treibjagden oder sonstige dem Tier wohl entgegen stehenden Praktiken grundsätzlich ablehnen. So normal der Walfang für die Menschen auf den Färöer-Inseln sein mag, so grausam empfinden wir das Abschlachten der Wale. Aber klar ist ebenso: Anstatt den Auftritt wegen unserer Meinung oder Empörtheit einfach zu untersagen, wollen wir lieber darüber diskutieren. Denn das Thema "Walfang" und die Bedeutung für die Menschen dort sind viel zu kompliziert, um es mit einem Auftrittsverbot abzuhandeln. Daher haben wir den Kritikern Unterstützung wie beispielsweise eine öffentliche Diskussion vor dem Konzert oder beim free&easy-Festival angeboten. Dabei geht die Kampagne offensichtlich letztendlich primär von einem Kritiker aus, den Herrn Jürgen Ortmüller, welcher mit seiner Einzelpersonenfirma WDSF eine Art private Tierschutzorganisation betreibt und da seit Jahren seine

sichtbaren Hauptaktivitäten auf die Kampagne zu Auftrittsverboten der Band TYR von den Färöer-Inseln lenkt. Demgegenüber ist dieser ist bis jetzt auf unser Angebot leider nicht eingegangen.

Um uns da erst mal eine Meinung bilden zu können haben wir Herrn Ortmüller ferner um die Beantwortung einiger Fragen gebeten. Bis auf die Großteils unbelegte Wiederholung seiner Behauptungen und Auftrittsabsageforderung kam da leider keine Antwort.

Wir sind eben der Meinung, dass wenn es jemanden wirklich um das Wohl der Wale geht, dann sollte der keine Clubs, Veranstalter und Bands jagen, keine Ressentiments gegen ganze Länder/Völker schüren, sondern alle konstruktiven, seriösen und fairen Methoden zur Aufklärung und zum Bewusstseins- und Handlungswandel nutzen und anwenden.

Wir haben da übrigens bis jetzt - mit der Ausnahme eines von der Band rezitierten 200 Jahre alten Färinger Volkslieds, wo es folkloristisch unter anderem um Walfang geht - gar keinen Beleg für die Behauptung gefunden, dass die Band den grausamen Walfang in Ihren Liedern oder Auftritten in der Form glorifizieren würden. Es kann nicht sein, dass da eine ganze Band für das tatsächliche oder nur kolportierte private Fehlverhalten oder eine entsprechende Meinung eines Mitglieds in Sippenhaft genommen und stigmatisiert wird. Genauso werden da offenbar Dinge zum Teil falsch oder verdreht verbreitet. Die Band und

deren Vertreterinnen haben sich gegenüber uns zumindest eindeutig geäußert, dass die Glorifizierung von grausamen Walfangmethoden nicht dem Inhaltlichen Credo der Band entspräche. Daher begrüßen Sie es unbedingt, dass im Rahmen Ihres Konzertes bei uns eine kritische Auseinandersetzung hinsichtlich der Walfang-Thematik stattfindet.

So wird es am Konzerttag in jedem Falle schon mal einen Infostand dazu mit der anerkannten Tierschutzorganisation SEA SHEPHERD geben. Darüberhinaus sind alle KritikerInnen der Walfangmethoden bzw. des Verzehrs von Walfleisch herzlich eingeladen sich hier offen zu beteiligen.

Wir hoffen sehr, dass wir das dann noch in größerem Maße und oder auch noch an Folgetagen ausbauen können.

Bis dahin richten wir einen Appell an Euch: Informiert Euch kritisch über den Walfang, hört Euch alle Meinungen an und bildet auf Grundlage von Fakten Euer Urteil! Leitet nicht einfach ungeprüft irgendwelche Texte von Personen oder Gruppierungen, welche Ihr eigentlich gar nicht kennt, aus dem und im Internet weiter.

Eine grundsätzliche Anmerkung: Für uns als Veranstalter stellt sich fast jeden Tag aufs Neue die Frage, welche Kritik an den Künstlern schwer genug ist, um ein Auftrittsverbot wirklich begründen zu können. Wenn wir einem Walfleischesser den Auftritt verbieten, müssten wir das nicht konsequenterweise bei jedem Jäger machen? Oder weiter gedacht: Dürften eigentlich nur noch Vegetarier auftreten? Oder Bands, die klimaneutral anreisen? Müssten wir nicht jede Band verbannen, die beispielsweise zu gewaltverherrlichende Texte hat? Zu religiöse? Zu linke? Zu sexistische? - Doch wer bestimmt eigentlich, wo diese Grenzen sein sollen?

Wir wollen keine Urteile fällen, die sich aus vermeintlicher moralischer Überlegenheit, aus Trendmeinungen oder aus persönlichen Präferenzen bilden. Nicht jede Kritik ist automatisch richtig und inhaltlich begründet. Daher prüfen wir jede Kritik sorgfältig und wägen ab, ob wir einer scheinbar umstrittenen Band unsere Bühne geben. Ein Auftrittsverbot sollte immer die letzte Option sein. Denn wir möchten keine Gesellschaft,

die Kontroversen vermeidet, indem sie ausgrenzt und den Dialog gar nicht erst sucht. Vielmehr muss eine Demokratie andere Meinungen aushalten, selbst wenn dieses manchmal Schmerzen verursacht. Wir wollen diese Kultur im Backstage täglich fördern und mit Euch leben.

Demgegenüber haben wir aber übrigens in der Vergangenheit bis jetzt sogar wesentlich mehr Künstlerinnen und Veranstaltungen abgelehnt als verhältnismäßig viele vergleichbaren andere Hallen und Veranstalter. Das geht aber bei der extremen Fülle von Konzerten und Veranstaltungen bei uns scheinbar unter oder das wollen einige vielleicht womöglich bewusst überhaupt so nicht sehen.

Mit großer Sorge müssen wir in letzter Zeit verstärkt feststellen, dass die Kritik an uns Club- und KonzerthallenbetreiberInnen nicht mehr fair, offen und sachlich geführt wird. Anstatt sich direkt bei uns zu melden werden wir über die sozialen Netzwerke und/oder gegenüber sogar politischen Freunden öffentlich an den Pranger gestellt und diffamiert. Der/die Kritiker scheuen ferner nicht davon zurück, uns medial-moralisch zu erpressen nach dem Motto: "Wenn Ihr kein Auftrittsverbot aussprecht, dann machen wir euch u.a. im Internet nieder“.

Darüber hinaus wurde in diesem Falle wohl sogar unser Oberbürgermeister mit dieser Kettenbrief-Kampagne behelligt. Wir sind aber überzeugt, dass dieser sich hier nicht für diese populistische und unsachliche Kampagne manipulieren oder gar einspannen lässt und uns im Gegenteil da im Ansinnen um einen demokratischen und konstruktiven Umgang mit 

dieser Sache aktiv unterstützt. In anderen Städten kann dies womöglich doch zu einem massiven weiteren Druck auf Veranstalter und Location führen, zumal wenn diese beispielsweise aufgrund von öffentlichen Zuschüssen oder Raumüberlassung von der Politik noch abhängiger sind.

Dem letzten größeren Shit-Storm dieser Art waren wir übrigens von Seiten der - sorry - nicht minder unappetitlichen blau/braunen AfD ausgesetzt - nachdem wir da kurz vor Landtagswahl noch eine kleine kritische satirische Aufkleber Aktion initiiert haben. Solchen Erpressungsversuchen - von welcher Seite auch immer - beugen wir uns aus Prinzip schon nicht, machen uns aber große Sorgen, wohin sich die Informations- und Diskussionskultur in unserer Gesellschaft entwickelt.

Ebenso aus diesen Gründen werden, können und wollen wir das Konzert mit der

färinger Band TYR am Di. Den 23. April 2019 bei uns im BACKSTAGE nicht absagen, sondern demgegenüber das Konzert begleitet von einer kritischen thematischen Veranstaltung mit der Tierschutzorganisation SEA SHEPHERD durchführen!

Des Weiteren wünschen wir allen anderen Clubs und Veranstaltern den Mut und die Kraft sich bezüglich dieser Sache dem Druck nicht zu beugen und sich unserem Handeln anzuschließen.

In Zukunft wollen wir deshalb allerdings verstärkt öffentliche Diskussionen zu kontroversen Themen, KünstlerInnen oder Bands veranstalten. Und hoffen hierzu auch auf eine breite Unterstützung von Seiten der Stadt, der gesellschaftlichen und politischen Gruppen und Initiativen, der Zivilgesellschaft und natürlich auch der KünstlerInnen und Gäste. Hier sind doch alle in der Verantwortung.

Denn unser Motto ist: Meinungsvielfalt, kritische wie kontroverse Auseinandersetzung, Aufklärung und Dialog statt Verbote, Diffamierungen und Ausgrenzung!

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