KOLLEGAH - Monument Tour 2019

VIP - Early Entry: 17:00

presented by ALPHA MUSIC
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Samstag, 14. Dezember 2019

Beginn: 19:40 Uhr | Einlass: 18:30 Uhr

Neu im VVK | Alle Veranstaltungen | Live @ Werk

Preis VVK: 39,50€ inkl. Geb.

Veranstalter: MEISTERSINGER KONZERTE & PROMOTION GmbH

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Zwischenstand zum Kollegah-Konzert

Aufgrund der aktuellen Debatte über Kollegah wollen wir Euch über unseren aktuellen Planungsstand informieren:

Die Kritik an Kollegah nehmen wir natürlich sehr ernst -  zumal wir diese  natürlich zunächst mal selbst im großen Maße selbst teilen müssen.  Deswegen beschäftigen wir uns schon seit Monaten – und lange bevor es die ersten öffentlichen Forderungen nach einer Absage gab – kritisch mit diesem Thema. In den letzten Wochen sogar mit enormen Aufwand. – Denn schließlich ist das Engagement gegen Antisemitismus seit Jahrzehnten festes Anliegen von uns.

Allerdings stehen wir in dem Dilemma, die Kritik an dem Künstler, aber auch seine Sichtweise ernst zu nehmen, die verschiedenen Interessen zu vereinbaren und vor allem die richtige Vorgehensweise für die Sache zu finden. Die Frage, was der Sache am besten nützt, hat für uns immer oberste Priorität, nicht unsere Vorteile oder unser Image in der Öffentlichkeit. Aus langer Erfahrung wissen wir, dass einfache, auf dem ersten Blick populäre Lösungen oft nicht die Sinnvollsten sind.
Folgende Aspekte sind für bei der Meinungsbildung wichtig:
1.    Die Interessen und das Empfinden der von der Diskriminierung Betroffenen
2.    Das Thema bspw. Antisemitismus
3.    Die Interessen der Fans und der Szene sowie die Möglichkeit für uns auf diese positiv Einfluss nehmen zu können
4.    Der Standpunkt des Künstlers

Bei umstrittenen Konzerten suchen wir daher immer den Austausch mit den KünstlerInnen, den KritikerInnen und den Betroffenen. Ebenso überlegen wir intensiv, was eine Absage für die Betroffenen, die Fans und die Szene bedeuten kann. Denn es müssen alle Konsequenzen bei einer solchen Entscheidung berücksichtigt werden.

Bei Kollegah stehen wir nun vor mehreren Dilemmata:
1.    Auf der einen Seite will Kollegah keinesfalls als Antisemit oder geistiger Brandstifter gesehen werden. Das hat er und sein Manager uns mehrfach deutlich geantwortet, als wir ihn mit den Vorwürfen konfrontiert haben. Ebenso gibt es sowohl in Songs des Künstlers alsauch in diversen öffentlichen Darstellungen von diesem z.B. im Internet durchaus entsprechende Aussagen. Demgegenüber stehen auf der anderen Seite ein Teil seiner Texte, Interviews, Statements und sein Auftreten klar im Gegensatz dazu. Dessen mindestens respektlose Äußerungen zum Holocaust finden wir nicht nur unsensibel, sondern schwer erträglich – wie ist das erst für unsere jüdischen FreundInnen und MitbürgerInnen? Wie soll man diese Widersprüche bewerten?
2.    Wir sind hier grundsätzlich nicht die SprecherIn von KünstlerInnen. Allerdings versuchen wir seit längerer Zeit eine Diskussion zwischen den KritikerInnen und Kollegah zu vermitteln, da er zu den Vorwürfen direkt Stellung nehmen und sich rechtfertigen will – zu dem nach unserer langjährigen Erfahrung leider nur wenige KünstlerInnen bereit sind. Wäre es nicht mal den Versuch wert, dass sich ein Künstler mit KritikerInnen auseinandersetzt und dann vielleicht sein zweifelsohne hochproblematisches Verhalten reflektiert und verändert?
Diese zum Teil bereits vereinbarten Gespräche wurden zu unserem größten Bedauern bis jetzt stets von den KritikernInnen abgesagt. Auch wurde von manchen Organisationen eine Diskussion mit dem Künstler ohne Begründung von vornherein abgelehnt, was uns ebenfalls sehr irritiert.  
3.    Das Backstage ist bei diesem Konzert nicht die  Veranstalterin, auch haben wir Kollegah selber nicht eingeladen. Wir vermieten die Halle in diesem Falle an eine Agentur, die von Kollegah beauftragt wurde. Eine Absage geht daher allein aus organisatorisch-rechtlichen Gründen nicht so leicht und schnell, wie manche das fordern. Klar ist, dass wir natürlich zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung stehen, egal ob wir hier ein Konzert selber veranstalten oder nur Vermieterin sind. Klar ist aber auch, dass wir eben einen Rechtsstaat haben und wir daher nicht so einfach geschlossene Verträge einseitig und kurzfristig brechen können. Diese dann ggf. aufzulösen erfordert mehr Zeit und kostet uns ggf. – wie bereits schon einige Male in der Vergangenheit – dann durchaus eine Menge Geld.
4.    Wir stehen hier ganz klar für die Freiheit der Kunst. Gerade im Bereich der „Jugendkultur“ war es seit jeher ein häufiges Mittel zu provozieren und gegen gesellschaftliche Konventionen zu verstoßen, auch sind da oft die Grenzen zwischen maßloser Überspitzung oder Ironie und ernsthaft Gemeintem stark interpretierbar. Das heiß wir mussten auch hier im BACKSTAGE in den letzten 29 Jahren einiges ertragen, was uns aus unterschiedlichsten Gründen stark missfallen hat.
Demgegenüber aber stehen wir auch mindestens im gleichen Maße für gesellschaftliche Verantwortung und gewisse Werte. Wir sind der Meinung, dass die Freiheit der Kunst eben nicht alles rechtfertigt.  Deswegen haben wir in der Vergangenheit auf Grund unseres eigenen Wertekanons für uns die „rote Linie“ früher gezogen als viele andere. Selbst wenn dementgegen seit einiger Zeit manche uns dies explizit absprechen.  Wir wehren uns drüber hinaus gegen den wachsenden Trend, dass wir uns zunehmend mit einer massiven manchmal populistischen und oft schlecht recherchierten Einflussnahme von gewissen Gruppen oder gar Teilen der Politik auf die Programmgestaltung von Clubs und Veranstaltungszentren konfrontiert sehen.
Wo beginnt da eigentlich die (selbst)Zensur? – sollten wir jetzt von vorneherein jegliche KünstlerInnen ablehnen, die aus irgendwelchen Gründen umstritten sind? – oder wo ziehen wir da die Grenze? Wenn ein Kollegah nicht geht – geht da dann beispielsweise ein „Frauenarzt“ „Cool Savas“ oder Sido? Wie viele Konzerte könnten wir dann guten Gewissens überhaupt noch auf die Bühne bringen? - welche Qualität und Vielfalt hätte dann noch unser Programm?
5.    Das Kollegah-Konzert ist bereits seit Monaten ausverkauft.  Viele Fans freuen sich schon seit langem auf das Konzert. Auch wird von diesen überwiegend beispielsweise eine antisemitische, homophobe oder frauenfeindliche Haltung nicht geteilt.  Diese würden wir nun mit einer Absage voll vor den Kopf stoßen und dann auch sogar noch finanziell schädigen, weil diese natürlich bei einer Absage nur den VVK-Preis ohne die mittlerweile doch recht beträchtlichen VVK- und Systemgebühren rückerstattet bekämen. Es könnte allem voran sehr fatal werden,  wenn dann durch eine Konzertabsage bei den enttäuschten und vielleicht sogar verärgerten Fans wir überhaupt erst womöglich einen Brandbeschleuniger für antisemitische Hetze von rechten Kreisen liefern würden.  Zum anderen könnten sich dann zunehmend Fans und Gäste auch bei anderen Konzerten selbst mit nur vermeintlich „problematischen“ KünstlerInnen fragen, ob mann/frau hierfür überhaupt noch Tickets kaufen solle, weil ja die Gefahr bestünde, dass dieses Konzert eh wieder abgesagt werden würde.  Mit beidem mussten wir jüngster Zeit bereits zu unserem größten Bedauern die Erfahrung machen.  

Zwischenfazit:

Aktuell sind wir noch in einem Prozess mit allen Beteiligten, auch stehen noch weitere Gespräche aus. Im Gegensatz zu manch anderen Locations versuchen wir mit allen Mitteln, das Konzert kritisch zu begleiten und zu kommentieren – unabhängig von der Frage ob ein Auftritt des Künstlers bei uns stattfinden wird oder nicht.  Wir hoffen daher, dass alle Seiten diese Angebote zum Austausch nun endlich annehmen, um das Problem nicht einfach nur zu verdrängen, sondern zu lösen.    
Schließlich würde der Künstler dann wahrscheinlich einfach wo anders auftreten und ist ja auch sonst nicht aus der Welt.

Wir stellen aber auch mit Erschrecken fest, dass bei schwierigen und komplizierten Themen ein ergebnisoffener Prozess von manchen Seiten verweigert oder gar blockiert wird.  Wir sehen im Umgang mit problematischen Themen die zunehmende Spaltung in unserer Gesellschaft und wir stehen da mitten auf der Bruchlinie.  Auch werden kreative Lösungen oder Kompromisse immer weniger angestrebt, genauso wie der direkte Dialog oder die sachliche kritische Auseinandersetzung. Ebenso war bis jetzt die Berichterstattung in den Medien hierzu meist nicht differenziert, fair und zum Teil sogar unrichtig.  Das alles sehen wir mit größter Sorge als weitere massive Gefährdung unserer Demokratie von den „anderen Seiten“ an, welche doch schon zunehmend von Rechtsextremisten und -Populisten bedroht ist.

Ein umfassenderes Statement zum Thema folgt.  

Euer Backstage







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