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DŸSE - Die "Wider-Tour“

presented by pøj pøj
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Dienstag, 12. April 2022

Beginn: 20:00 Uhr | Einlass: 19:00 Uhr

Alle Veranstaltungen | Neu im VVK | Live @ Halle

Preis VVK: 20,-€ zzgl. Geb

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

VIDEOS


TICKETS IM VORVERKAUF

Dÿse

„Widergeburt“

Flüstern, Grollen, Scheppern, Abfahrt. Von der emotionalen wie

detailgeladenen Musik des Berliner Noise-Rock-Duos mag man

sich zwar immer wieder gern niederstrecken lassen, doch es

geht hier um so viel mehr als um bloße Überwältigung. Das neue

Album „Widergeburt“ verdichtet das Prinzip Dÿse dabei wie noch

nie - ein Ameisenhaufen aus großen, kleinen und verdammt

abgedrehten Ideen.

Ein einzelner Mann stellt sich dem anrollenden Panzer in den

Weg. Mensch gegen Kriegsmaschine. Die Kräfteverhältnisse

könnten kaum ungleicher sein. Und doch... der Panzer stoppt.

„Tankman“ wird er in dem Dÿse-Stück „Laicos Neidem“ genannt,

dessen Text unter anderem auf dieses ikonische Bild vom

Aufbegehren der Studierenden in Peking 1989 referiert. Ein

Bild, das um die Welt ging. Also nach damaligen Verhältnissen,

also Tagessschau, Zeitungen, Illustrierten - alles mehr oder

weniger zeitversetzt. Analoge Schneckenpost eben.

Welch intervenierende Kraft allerdings hätten diese Bilder aus

Peking wohl heute zu Zeiten Social Media gehabt? Hätte die

damit verbundene Öffentlichkeit das Überrollen des Aufstands

verhindert? Oder panzert Social Media viel eher im Hier und

Jetzt ein respektvolles Miteinander nieder?

Fragen, auf die man beim diesem Album gefasst sein muss.

Vorgegebene Antworten zum Ankreuzen in Kästchen gibt‘s

woanders. „Widergeburt“ dagegen ist die multiperspektivische

Noiserock-Intervention des neuen Jahrzehnts.

Aber noch mal von vorn: Dÿse, das sind Jarii van Gohl und

Andrej Dietrich. Mit ihrer Gründungsgeschichte sollte man sich

nicht lange aufhalten, im Zweifel stimmt sie ohnehin nicht.

Selbst auf Wikipedia finden sich eher fragwürdige Legenden

über das Kennenlernen der beiden, klingt alles mehr nach

Seemannsgarn statt nach belastbaren Hard Facts. Sie hätten

eine gute Geschichte schon immer der musikhistorischen

Auskunftspflicht vorgezogen, sagt Andrej Dietrich

entschuldigend. Wobei es allerdings nicht wirklich so

aussieht, als täte ihm das Besonders leid. Warum sollte es

auch?

Dÿse, das ist diese Band mit dem komischen Umlaut, sie nahm in

den Nuller Jahren in Jena ihren Ausgang, mittlerweile leben

Andrej und Jarii in Berlin.

 Beschäftigt man sich mit der Musik der beiden gelangt man

immer wieder an die zentralen Eckpunkte: Haltung, Intensität,

D.I.Y., Live, Energie.

Darüber hinaus irritieren Dÿse gern das System, auch das

eigene, und würden nicht ohne den mitgelieferten Humor

funktionieren. Soviel zur Ausgangsposition, wer wirklich noch

mehr Hard Facts braucht, möge bitte ein Crowdfunding für ein

Dÿse-Biopic ins Leben rufen.

Im Mittelpunkt soll das Jetzt stehen, sieben Jahre nach „Das

Nation“ nun das neue Album.

Darauf haben Dÿse, dieses Duo ohne Bass-Spieler, ihrem Missing

Link auf ein kleines Denkmal gesetzt. Hallo Bassist! Der fehlt

dem Duo schon immer – mit voller Absicht. „Trotzdem wollten

wir natürlich auch diesmal das Frequenzspektrum abdecken“,

sagt Jarii van Gohl. Auch diesmal sollten die Aufnahmen nicht

ohne Bass-Spuren auskommen. Dÿse haben sich dafür an

befreundete Bassisten gewandt und um Beiträge zu den neuen

Stücken gebeten. Der Bassist also als Ehrengast?

Ja.

Honig auf die Wunden, denn man weiß doch, wie sparsam der Bass

sonst in einer Band mit Aufmerksamkeit bedacht wird. Bei Dÿse

knüpfen also zehn unterschiedliche Bassisten an die Songs an.

Bassisten, die sonst u.a. Beatsteaks, Deichkind, Kraftklub,

Vizediktator, Heaven Shall Burn bis hin zu Rammstein spielen.

Ach ja, und auf „Alles ist meins“ hört man Farin Urlaub am

Bass - der bei den Ärzten, so genau sollte man sein, gemeinhin

ja eher Gitarre ist.

Ein solches Open-Source-Konzept gab es vorher noch nicht, aber

für Dÿse ist das Kollektiv-Bewusstsein dennoch nichts Neues.

Das Album „Das Nation“ trug diesen bandeigenen Pluralismus ja

bereits im Namen – und auch in der Musik.

So hat man auch „Laicos Neidem“ das erste Video, genutzt, mit

Leuten zusammenzukommen, mit dem Dÿse-eigenen Ziel, gemeinsam

mehr als die Summe der einzelnen Teile zu sein. Schlagzeuger

und Sänger Jarii van Gohl allerdings zerlegte es dabei fast in

Einzelteile. „Ich habe früher Breakdance gemacht – und war der

Überzeugung, ich muss mich nicht aufwärmen. In Folge dessen

habe ich mir das Knie verdreht. Meniskusschaden.“ Auweia.

„Aber Schlagzeugspielen geht schon wieder“, schickt er zur

Beruhigung hinterher. Na, dann. Dem Clip sieht man diese fiese

Facette zum Glück nicht an, er beschwört eher Blockparty-

Atmosphäre herauf, wie man sie von einem 80er-Jahre Kultfilm

wie „Beat Street“ kennen kann.

Die größte Leistung von „Widergeburt“ dürfte allerdings sein,

dass diese entfesselte Energie, die ihre Live-Auftritte zu

einer Mischung aus Auffahrunfall und Ekstase werden lässt,

noch nie unmittelbarer auf Band gepresst wurde.

 

Wer Dÿse schon mal live erlebt hat, weiß, was dieser letzte

Satz für eine Verheißung darstellt...

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